Medizinphysik-Blog

Der MPE in Ausbildung

von Tobias Fiebig (Juni 2018)

Mein Name ist Tobias Fiebig. Ich bin 30 Jahre alt und habe nach jetzigem Stand meinen Traumjob gefunden (man weiß ja nie, was noch kommt). Nach meinem Studium hatte ich allerdings nicht daran gedacht, Medizinphysiker zu werden. Ich habe Biomedizinische Technik im Bachelor und Master an der TU Ilmenau studiert und habe dort auch meine Frau kennengelernt. Nach dem Studium ging es für uns dorthin, wo es das beste Jobangebot gab. Meine Frau, die das gleiche studierte wie ich, wollte seit dem Studium Medizinphysikerin werden. und trat, nach unserem Umzug, auch ihren Job als Medizinphysikerin an. Ich begann als Service-Ingenieur in einem namhaften Medizintechnik-Unternehmen. Während meiner Bewerbungsphase machte ich ein Praktikum in der Medizinphysik einer Strahlentherapie in einem Praxisverbund lernte ich, neben dem Team, auch den Linearbeschleuniger (Linac) dieser Einrichtung kennen. Es war mein erster Kontakt mit dieser Art von Gerät. Nach diversen Unterweisungen und Einführung in die Messgerätetechnik, sollte ich eine Ringmessung mit verschiedenen Messkammern durchführen. Das wurde auch zum Hauptthema des einmonatigen Praktikums, für das ich anschließend auch einen Bericht verfasste. Die Arbeit mit dem Linac bereitete mir riesig Spaß. Auch mit dem Team harmonierte ich von Anfang an. Letztlich stellte sich heraus, dass ein MPA (Medizinphysiker in Ausbildung) gesucht wird. Es sollte allerdings noch ca. 7 Monate dauern, bis ich meine Arbeitsstelle als MPA antreten konnte.

Tobias Fiebig, MVZ Schwäbisch GmündIn der Anfangszeit erlernte ich die ersten Schritte der Bestrahlungsplanung. Analgetische bzw. benigne Bestrahlungen direkt am Linac sollten geplant werden. Bis dato hatte ich nur messtechnisch, nicht aber für die tatsächliche Bestrahlungen an  einem Linac gearbeitet, sodass ich erst verstehen musste was man tut. Im Prinzip programmiert man das Gerät, um die vom Arzt verschriebene Dosis am Patienten korrekt applizieren zu können. Am Gerät gibt es dazu unzählige „Stellschrauben“ aka Parameter (SSD, Kollimatorwinkel, MU-Vorwahl, Feldgröße usw. – um nur einige wenige zu nennen. Durch die Vielzahl an Parametern gestaltet sich dieses Unterfangen als umfangreich. Den Moment, in dem der allererste von mir geplante Plan am Patienten abgestrahlt wurde, habe ich noch gut in Erinnerung: Ich empfand es als sehr aufregend! Retrospektiv gesehen ist das natürlich Alltagsgeschäft und „keine große Sache“. Vielleicht ist dies meinem Respekt gegenüber der Strahlentherapie geschuldet: Man bestrahlt gewollt und wissentlich Patienten mit ionisierender Strahlung, die den Körper ja auch schädigen kann, um eine kurative Wirkung zu erzielen.

Nach einer Phase der Einarbeitung in grundlegende Dinge, standen die 3D-Bestrahlungsplanung sowie die Qualitätssicherung (QS) als nächste Teilgebiete an. Zuerst begleitete ich diese Punkte passiv. Ich beobachtete die Kollegen beim Planen – bis ich irgendwann mit dem Konturieren von Risikoorganen begann. Nicht viel später fügte ich die ersten Pläne und Felder ein. Durch die Schritt-für-Schritt-Erklärung von Kollegen, erstellte ich auch in der 3D-Planung meine ersten Pläne. Das Ziel ist die optimale Dosisverteilung zu finden, bei der das Zielgebiet die verschriebene Dosis erhält und das gutartige Gewebe sowie Risikoorgane bestmöglich geschont werden. Diese komplexe Aufgabe (Anlegen der richtigen Risikoorgane und Strukturen, das Anlegen von Referenzpunkten sowie Setup-Notizen usw...) dokumentierte ich für mich sehr detailliert. Nach einigen Wochen war ich in der Lage einfache 3D-Pläne selbstständig zu erstellen. Ähnlich verhielt es sich mit der Qualitätssicherung (QS): Anfangs begleitete ich diese Prozedur nur; später führte ich sie unter Aufsicht eines fachkundigen Physikers selbst durch. Mittlerweile agiere ich dahingehend selbstständig und präsentiere dem MPE die Ergebnisse. Dies erfordert ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen MPA und MPE, das ich mir erst erarbeitet habe.

Tobias Fiebig, MVZ Schwäbisch GmündNach über 1,5 Jahren ist man in die Arbeitsroutine richtig eingebunden. Ich befinde mich dennoch in einer Phase des Hinterfragens und des Verstehens. Meiner Meinung nach sollte diese aber auch niemals aufhören. Man sollte sich immer vergegenwärtigen, was man eigentlich tut. Kann man vielleicht etwas verbessern oder verändern, das dem Wohle der Patienten zuträglich ist und die Sicherheit noch weiter steigert? Weiterhin gilt es das sehr komplexe Wesen der QS zu verstehen: Deckt die DIN tatsächlich alles ab oder warum existieren diese und jene Prüfungen? Natürlich könnte man sich blind darauf verlassen; schließlich wird es in den entsprechenden Verordnungen und Gesetzen ja so gefordert. Dazu bin ich aber nicht der Typ – ich möchte es ganz genau wissen. Die eigenen Fragen beantworten sich von selbst oder klären sich in fachlichen Gesprächen mit Kollegen. Für mich fühlt es sich wie ein Prozess des „in-Fleisch-und-Blut-Übergehens“ an. In einigen Jahren kann ich dazu sicher mehr sagen.

Die Ausbildung in einem Verbund aus kleinen einzelnen Praxen hat mir persönlich viele Vorteile gebracht. Zum einen ist das der Austausch mit Kollegen und zum anderen ist es das Verhältnis zu den Ärzten. Das Verhältnis zu den Ärzten ist sehr gut; ich kann stets alles fragen, bekomme Erklärungen (wenn es bspw. um die neuesten Studien geht) und wir arbeiten zusammen daran, dass Abläufe für Patienten und Personal weiter optimiert werden können. Während meiner Ausbildung und auch durch Aushilfe an anderen Standorten hatte ich die Möglichkeit, Arbeitsabläufe anderer Medizinphysiker kennenzulernen. Wie arbeiten sie, welche anderen technischen Gegebenheiten haben sie usw. Das hat mir bspw. sehr geholfen, meinen eigenen Planungsstil zu finden. Weiterhin habe ich dadurch die Planungsmodalitäten von VMAT sowie das Arbeiten mit kV-Bildgebung kennengelernt, da das Gerät an meinem heimischen Standort diese Funktionen nicht bietet.

Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich den Grundkurs im Strahlenschutz absolviert, der für die Beantragung der Fachkunde im Strahlenschutz erforderlich ist. Vor kurzem absolvierte ich erfolgreich den Spezialkurs in der Strahlentherapie, der ebenfalls eine Notwendigkeit darstellt. Wie es damit weitergeht, weitere Details dazu und generell zur Beantragung der Fachkunde werden in einem weiteren Blogbeitrag erscheinen.